results. MärkteAktuell

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Transkript

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Marietta: Hallo Ulli und herzlich willkommen zu einer neuen Folge. Die vergangenen Handelstage haben eine bemerkenswerte Botschaft gesendet. Gute Nachrichten reichen nicht immer aus, wenn das Vertrauen fehlt. Wir haben heute viele spannende Themen und lass uns gerne zuerst wie gewohnt mit Deutschland starten. Nach einer langen Schwächephase senden einige Frühindikatoren wieder vorsichtig konstruktivere Signale. Die Einkaufsmanagerindizes haben sich verbessert und für die am Mittwoch anstehende Industrieproduktion im August erwarten Volkswirtschaft einen Anstieg 1 % gegenüber dem Vormonat. Damit könnte der Rückgang von 1,1 % im Juli weitgehend ausgeglichen werden. Das ist zunächst ja erst mal positiv. Es wäre aber verfrüht, daraus bereits einen nachhaltigen industriellen Aufschwung abzuleiten. Deutschland steht weiterhin vor hohen Energiekosten, strukturellen Standortproblemen und globalen handelspolitischen Unsicherheiten. Gleichzeitig könnte zusätzliche Investitionen in Infrastruktur, Verteidigung, Digitalisierung und Energieversorgung in den kommenden Jahren neue Nachfrage schaffen. Entscheidend ist, ob aus öffentlichen Investitionen besseren Auftragseingängen und stabileren Erwartungen auch dauerhaft mehr private Investitionen Produktivität und industrielle Wertschöpfung entstehen kann. Deutschland investiert künftig deutlich stärker in Infrastruktur, Verteidigung und Transformation. Welche Branchen könnten von diesem Wandel stärker profitieren als aktuell eingepreist und wo entstehen möglicherweise die nächsten industriellen Wachstumsschwerpunkte?

US: Ja, das ist eine ausgesprochen gute Frage, Marietta. Wir sehen ja, dass der Aufschwung, den wir im Moment erleben, also rein konjunkturell ist. Er wird vor allen Dingen getrieben über die künstliche Intelligenz und den Export und über die staatlichen Fiskalprogramme. So, jetzt kann man fragen, wer kann daran profitieren? Das sind natürlich dann alle Unternehmen, die in irgendeiner Form technologisch aufgestellt sind. Da haben wir ja tatsächlich einige Start-ups und kleinere Unternehmen, die müssen wir wirklich auch mal groß machen und marktreif und da müssen wir sie vor allen Dingen im Land halten. Also wir brauchen hier viel mehr Venture Capital. wäre also Risikokapital im Grunde genommen, diese aufstrebenden Unternehmen in der Technologie, in der Raumfahrt, in künstlicher Intelligenz und ähnlichen Themen dann auch im Land zu entwickeln und zu behalten. Der zweite große Bereich ist sicherlich der, der sich mit der künstlichen Intelligenz und zwar der physischen künstlichen Intelligenz beschäftigt. Wir sind ja in Deutschland traditionell sehr gut, was die Elektronik angeht, auch was der Maschinenbau angeht. Und hier haben wir, glaube ich, eine sehr, gute Startbasis eben die Dinge, die aus der künstlichen Intelligenz dann Richtung Automatisierung, Richtung Robotik, vielleicht sogar Richtung Humanoide geht, auszubauen. Also da sollten wir, da kommen wir wahrscheinlich nicht so ohne Weiteres ran an die großen Amerikaner, was Cloud Computing und was die Modelle für die Künstliche Intelligenz selbst angeht, aber die Anwendung dann eben wieder in industriellen Prozessen und das, was man eben alles physische KI nennt. Ich glaube, das sind Bereiche, in denen wir in Zukunft stärker wachsen können. Und von daher müssen wir eben diesen Strukturwandel hinbekommen, dass wir einiges an energieintensiven Branchen wahrscheinlich in der Weise in Deutschland nicht mehr machen werden, sondern sehr viel stärker hier in Richtung der genannten Bereiche gehen.

Marietta: Deutschland hofft also auf einen Investitionsimpuls, doch höhere Investitionen müssen finanziert werden. Und genau hier richtet sich der Blick derzeit auf Frankreich. Denn die aktuellen Bewegungen zeigen, wie schnell Zweifel an der Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen die Finanzierungskondition eines Landes und letztlich auch einer ganzen Region verändern können. Frankreich ist derzeit eines der marktbestimmenden Themen in Europa. Der Renditeaufschlag zehnjähriger französischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen weitete sich in der vergangenen Woche zeitweise auf rund 150 Basispunkte aus. Damit wurden Niveaus erreicht, die seit der europäischen Staatsschuldenkrise nicht mehr zu beobachten waren. Die Bewegung lässt sich allerdings nicht allein mit einer neuen fundamentalen Nachricht erklären. Das französische Budgetproblem ist bekannt. Die Dynamik wurde offenbar zusätzlich von Positionierungen, Stop-Loss-Verkäufen und einer insgesamt geringeren Risikobereitschaft am Markt verstärkt. Auch andere europäische Staatsanleihen und Bankaktien gerieten derweil unter Druck. Der Markt reagiert also derzeit deutlich stärker auf Frankreich als auf zum Beispiel schwache US-Arbeitsmarktdaten, worauf wir gleich noch zu sprechen kommen. Ist das ein Zeichen dafür, dass Investoren beginnen, europäische Staatsrisiken grundsätzlich neu zu bewerten?

US: Ja, es gibt sicherlich den ein oder anderen, der von einer in Europa spricht vor dem Hintergrund, dass wir ja in Frankreich Wahlen im kommenden Jahr sehen werden und der Wahlkampf eben gestartet ist. Das verbunden mit höheren Defizitzahlen, was den staatlichen Haushalt angeht, führt dann eben zu der in Anführungsstrichen Spekulation, dass die Franzosen wahrscheinlich auch in absehbarer Zeit ihr Haushaltsdefizit nicht in den Griff bekommen und es doch bei Niveaus oberhalb von fünf Prozent bleiben könnte. Und das hat dann sicherlich dazu beigetragen, dass dieser Trend ausgelöst worden ist. Ich glaube, er ist aber dann, wie du ja richtig sagst, Mariette, tatsächlich verstärkt worden durch Spekulanten, die ... Hedge Funds möglicherweise, die darauf gesetzt haben, ob denn die Europäische Zentralbank das TPI-Programm ... Also, da hat ja die Europäische Zentralbank für einiger Zeit ein Programm geschaffen, was ihr die Möglichkeit gibt, wenn sie glaubt, dass die Transmissionsmechanismen der Geldpolitik nicht so gut funktionieren, eingreifen könnte. Jetzt haben wir auch noch Neuwahlen in Spanien dazugekriegt. Ende November, die sicherlich die Unsicherheit auch noch mal in Europa erhöhen. Aber hier von einer Krise zu sprechen, halte ich also wirklich für übertrieben. Ich halte auch die Marktentwicklungen dort für übertrieben. Philipp Lehn, der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, hat jetzt vor kurzem darauf hingewiesen, dass die hohen Zinsen ein Stück weit der Notenbank die Arbeit abnehmen. Und insofern wahrscheinlich die Europäische Zentralbank weniger stark die Zinsen anheben wird, wie es am Markt im Moment erwartet wird. Wie gesagt, von wirklichem Krisenniveau. Also fundamental kann man das auch nicht sehen. Natürlich ist es ein Thema, die Staatsschulden.

US: und die Regierungen. Und natürlich muss man die Dinge organisieren, aber wie gesagt vom Krisenniveau sind wir noch weit weg. Und deswegen glaube ich auch, dass wir hier in den Spreads und auch vom Gesamtzinsniveau wieder ein Stück weit runterkommen werden in den nächsten Wochen.

Marietta: Danke für die Einschätzung. Wie stark diese Unsicherheit inzwischen über Frankreich hinauswirkt, zeigt auch der Devisenmarkt, denn selbst deutlich schwächere US-Arbeitsmarktdaten konnten dem Euro bislang nicht nachhaltig helfen. In den USA wurden im September außerhalb der Landwirtschaft lediglich 29.000 neue Stellen geschaffen. Erwartet waren aber 90.000. Gleichzeitig wurde der Beschäftigungsaufbau des Vormonats von 162.000 auf 133.000 nach unten revidiert. Und die Arbeitslosenquote stieg leicht auf 4,2%. Die Daten reduzieren also die Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung der FED im Oktober deutlich. Unmittelbar nach der Veröffentlichung fehlen dann auch die US-Renditen und der Dollargab zunächst nach. Zu Beginn der neuen Woche wurde diese Bewegung jedoch vollständig umgekehrt. Euro-Dollar fiel zeitweise heute Morgen auf 1,1161. Das ist eine wichtige Marktinformation. Die schwächeren US-Daten werden nicht ignoriert. Sie reichen aber derzeit womöglich nicht aus, die steigenden europäischen Risiko-Aufschläge, die politische Unsicherheit und die erhöhte Nachfrage nach Dollar-Absicherung zu kompensieren. Und hinzu kommt auch das schwierige Bild für die EZB. wenn wir auf die Inflation blicken. Was sagt es über die relative Risikowahrnehmung von Europa und den USA aus, dass der Euro-Dollar trotz deutlich schwächerer US-Arbeitsmarktdaten auf ein neues 17-Monats-Tief gefallen ist?

US: Ja, wie gesagt, wir haben heute Morgen dann auch noch die Nachricht aus Spanien bekommen, dass dort Neuwahlen stattfinden werden Ende November. Und insofern hat das sicherlich nicht zur Sicherheit beigetragen am Kapitalmarkt, sondern das Gegenteil ist richtig. Dann haben wir in den Vereinigten Staaten sicherlich ein deutlich höheres Wachstum als in Europa ausgelöst durch die künstliche Intelligenz, durch die immensen Investitionen. Also es sind noch nicht so sehr die Produktivitätsfortschritte, es ist mehr Das sind mehr die Investitionen in Rechenzentren, etc. in Infrastruktur, die hier eine Rolle spielen. Und das reflektiert aus meiner Sicht dann eben auch Euro-Dollar. In Europa macht man eben das eine oder andere Fragezeichen. Sicherlich spekulativ, aber auch etwas zu groß. Und in Amerika schaut man auf die Berichtssaison und erwartet eben, dass gerade die Unternehmen der künstlichen Intelligenz wieder sehr, sehr gut liefern werden und dann eben auch fortfahren werden mit ihren Investitionen. Und das trägt aus meiner Sicht im Moment dazu bei, dass der US-Dollar hier stärker geworden ist, zumal ja auch in den Vereinigten Staaten die Spekulation oder sagen wir mal die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt nach oben, der amerikanische Notenbar-Fed deutlich zurückgegangen ist für den Oktober. Da wird mittlerweile fast nichts mehr gepreist, nachdem sich auch einige Mitglieder aus der Notenbank geäußert hatten und deswegen auch hier eigentlich eine Situation, wo man sagt, naja gut, dann wird die Notenbank hier auch das Wachstum nicht so sehr beschädigen. Das läuft dann weiter auf einem Niveau von über 2%, wohingegen Europa eben, naja, 1 % herumkrebst und das führt dann zu diesen Entwicklungen im Euro-Dollar-Verhältnis.

Marietta: Welcher Faktor dürfte den Wechselkurs in deiner Meinung nach in den nächsten Wochen am stärksten bestimmen? Ist es die weitere Entwicklung der europäischen Staatsanleihespreads, die Reaktion der EZB auf unter anderem die höhere Inflation oder die Frage, wie die FED zukünftig weiter handeln wird?

US: Ja, man hat natürlich bei Währungen immer zwei Seiten. Von daher sind, glaube ich, die Notenbanken schon sehr entscheidend. Die Europäische Zentralbank und die amerikanische Fed, wie sie agieren werden. Denn die Währungskorrelationen, beziehungsweise Paritäten werden ja doch sehr, sehr stark durch die zweijährigen Zinsparitäten ausgelöst, beziehungsweise Zinsdifferenzen. Und deswegen würde ich da besonderes Augenmerk drauf haben. inwieweit sich die Dinge dort auseinander bewegen oder auch nicht. Und dann kommt in Europa eben der Wahlkampf in Frankreich und jetzt auch noch in Spanien sicherlich als belastender, zumindest mal für die nächsten Wochen und Monate belastender Faktor hinzu. Aber grundsätzlich glaube ich, dass wir nach vorne hin einen etwas schwächeren Dollar wieder sehen werden.

Marietta: Danke für die Einschätzung. Dann lassen wir uns doch gerne zum Abschluss einmal auf China blicken, wo erstmals seit einigen Monaten konstruktivere Konjunktursignale kommen. Entscheidend ist jedoch auch hier, wie belastbar die Verbesserung tatsächlich wirklich ist. China sendet seit langer Zeit wieder vorsichtig positive Signale. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe stieg im September auf knapp über 50 Punkte und damit zurück in den Wachstumsbereich. Besonders auffällig war die Entwicklung im Baugewerbe, das erstmals in diesem Jahr wieder Expansion signalisiert hat. Staatlich unterstützte Infrastrukturmaßnahmen scheinen zunehmend ebenfalls Wirkung zu entfalten. Doch gleichzeitig bleiben die Herausforderungen erheblich, denn der Immobiliensektor belastet weiterhin die Wirtschaft und die Inlandsnachfrage zeigt bislang nur eine begrenzte Dynamik. Und genau deshalb stellt sich nun die entscheidende Frage. Handelt es sich eine echte Stabilisierung mit Potenzial für 2027 oder lediglich einen kurzfristigen Effekt staatlicher Maßnahmen?

US: Ja, bisher hat die Kommunistische Partei in China sozusagen noch kein Big Bang gemacht. Sie haben immer wieder eingegriffen und versucht, die Binnenkonjunktur zu stützen. Auch jetzt wieder hat der Vizeprämie die Region dazu aufgefordert, ihren fiskalischen Spielraum doch bitte auszunutzen. Man will auch den Konsum weiter stützen, den Arbeitsmarkt in der Volksrepublik China. Das hilft natürlich alles ein Stück weit zur Beruhigung. Das Ziel ist eben, das Wachstum zwischen 4,5 und 5 Prozent auch wirklich zu halten. Aber die Wachstumsimpulse kommen eben auch in China aus der Technologie und dann auch sehr stark aus dem Export weiterhin. Also wir müssen wahrscheinlich im Binnenmarkt weiterhin damit leben, dass er relativ schwach ist, dass die Regierung immer dann, wenn es droht, noch schwächer zu werden und dass man die Wachstumsziele nicht einhält, mal einzugreifen. Aber ohne eben die große, wirklich notwendige Bereinigung am Immobilienmarkt und fast jeder Chinesen ist in irgendeiner Form dort engagiert, werden wir wahrscheinlich noch einige Zeit brauchen, bis wieder Vertrauen zurückgekehrt ist und der Konsum als Treiber dann für die Wachstumsaussichten in China gelten.

Marietta: Vielen Dank für die Einblicke. Wir sind schon wieder am Ende angekommen. Wir hören uns in zwei Wochen wieder. Bis dahin alles Gute.

US: Danke, tschüss.

Über diesen Podcast

Was sind die aktuell bestimmenden Themen an den Märkten? Dazu stellt sich Dr. Ulrich Stephan alle zwei Wochen den Fragen des Spezialisten für Zins- und Währungsmanagement Sebastian Neckel. Welche Notenbanken sind aktiv, welche sind eher zurückhaltend? Politische Ruhe oder Unruhe? Gehen die Zinsen rauf oder runter? Muss ich als Unternehmer handeln? Intensiv, pragmatisch und auf den Punkt. Wer tagesaktuell in die Märkte sehen möchte, dem sei der tägliche Newsletter „Märkte am Morgen“ empfohlen.

von und mit Deutsche Bank

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